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Hark Bohm

* 18.05.1939 in Hamburg
† 14.11.2025

Angelegt am 16.11.2025
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Über den Trauerfall (1)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Hark Bohm, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Hark Bohm

16.11.2025 um 11:15 Uhr von Redaktion

Hark Hermann Bohm (* 18. Mai 1939 in Hamburg; † 14. November 2025 ebenda) war ein deutscher Filmregisseur, Schauspieler, Drehbuchautor und Produzent. Er wurde vor allem mit sozialkritischen Produktionen wie Nordsee ist Mordsee (1976), Moritz, lieber Moritz (1978) oder Yasemin (1988) bekannt. Für letztere erhielt er das Filmband in Gold. Er war zudem Dozent am Institut für Theater, Musiktheater und Film der Universität Hamburg.

Leben
Jugend und Ausbildung
Hark Bohm wurde 1939 im Hamburger Stadtteil Othmarschen geboren und wuchs mit drei jüngeren Geschwistern, einem Bruder und zwei Schwestern, in Norddorf auf der Nordseeinsel Amrum auf. Nach dem Abitur 1959 am Christianeum in Hamburg absolvierte Bohm seinen Wehrdienst bei der Bundesmarine und studierte Rechtswissenschaften in Hamburg, Berlin und Lausanne. 1966 legte er sein Erstes Juristisches Staatsexamen ab. Sein juristisches Referendariat in München brach er 1969 ab und befasste sich ab da hauptberuflich in verschiedenen Funktionen mit Film.

Familie
Bohms Mutter, die Studienrätin Hildegard Emma Precht, entstammte einer Familie von Kaufleuten und Segelmachern aus Bremerhaven. Sein Vater Walter, Sohn eines Eisenbahninspektors aus Richtenberg in Vorpommern, war Rittmeister der baltischen Landeswehr und studierte nach der Enteignung seines Besitzes in Estland in Hamburg Jura. 1933 trat er der SS bei (letzter Rang: SS-Obersturmführer) und wurde anschließend Hauptlektor der Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums und Hauptabteilungsleiter im Stabsamt des Reichsbauernführers Walther Darré im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS (RuSHA). Ab 1935 war er zudem als Hochschuldozent für Agrarrecht und Agrargeschichte in Goslar tätig. Nach dem Krieg war er Hamburger Obersenatsrat und Richter am Hamburgischen Landesverwaltungsgericht. Hark Bohms Bruder war der Schauspieler Marquard Bohm (1941–2006).

Bohm hatte aus der ersten Ehe seines Vaters mit Emmy von Kirschten drei in Reval geborene Halbbrüder, von denen zwei im Zweiten Weltkrieg gefallen sind. Sein mittlerer 1922 geborener Halbbruder diente als Kriegsfreiwilliger im Füsilier-Regiment Großdeutschland und im Volkssturm. Er wurde als Kriegsinvalide entlassen und starb 37-jährig an den Folgen seiner Kriegsverletzungen.

Privatleben
In erster Ehe war Bohm mit der späteren RAF-Terroristin Angela Luther verheiratet. Er und seine zweite Ehefrau Natalia adoptierten vier Kinder und betreuten zwei Pflegekinder. Eines seiner Adoptivkinder war der Schauspieler Uwe Bohm (1962–2022), der bereits als Jugendlicher in einigen seiner Filme Hauptrollen spielte, meist noch unter seinem Geburtsnamen Uwe Enkelmann. Der Schauspieler Dschingis Bowakow ist ein jüngerer Bruder seiner Frau Natalia und wurde als Ziehsohn in der Familie Bohm aufgenommen. Hark Bohm starb im November 2025 im Alter von 86 Jahren in Hamburg.

Karriere
Durch seinen jüngeren Bruder Marquard kam Bohm in Kontakt mit der Münchner Filmszene. Er war zunächst Darsteller in einigen Filmen von Rainer Werner Fassbinder. Dieser setzte ihn vorzugsweise für pedantische und autoritäre Rollen ein. 1971 gründete der als linksliberal beschriebene Bohm mit anderen Autorenfilmern des Neuen Deutschen Films den Filmverlag der Autoren. In den folgenden Jahren war er Regisseur und Autor einiger Kurzfilme, bevor er mit Tschetan, der Indianerjunge einen preisgekrönten Spielfilm drehte. 1974 entstand seine eigene Produktionsfirma namens Hamburger Kino Kompanie. Sein größter Erfolg wurde 1976 Nordsee ist Mordsee. Es folgten Filme wie Moritz, lieber Moritz (1978), die vor allem sozialkritisch verstanden werden sollten. Gemeinsam mit dem Verhaltensforscher Erik Zimen realisierte er 1976 bis 1978 den Dokumentarfilm Wölfe.

1984 erschien mit Der Fall Bachmeier – Keine Zeit für Tränen eine Verfilmung des Falls von Marianne Bachmeier, für deren Begnadigung er sich öffentlich eingesetzt hatte. 1986 griff er mit Der kleine Staatsanwalt erneut auf ein Justizthema zurück und spielte in der Titelrolle einen Staatsanwalt im aussichtslosen Kampf gegen Wirtschaftskriminalität. Mit Yasemin, der mit dem Filmband in Gold ausgezeichnet wurde, und Herzlich willkommen entstanden in den folgenden Jahren zwei weitere sozialkritische Filme. Bernd Eichinger engagierte ihn im Jahr 2000 als Drehbuchautor und Regisseur für den TV-Zweiteiler Vera Brühne.

2015/16 schrieb Bohm zusammen mit Niki Stein die Drehbücher für die RTL-Fernsehserie Adolf Hitler, basierend auf Thomas Webers Biografie Hitlers erster Krieg. Zusammen mit Fatih Akin und Lars Hubrich schrieb er das Drehbuch zur Verfilmung des Romans Tschick von Wolfgang Herrndorf. Für das Drehbuch zu Aus dem Nichts (2017) wurden Akin und Bohm 2018 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Bei der Verleihung wurde Bohm auch der Ehrenpreis für „herausragende Verdienste um den deutschen Film“ überreicht.

Bohm war Mitbegründer des Hamburger Filmbüros (1979). Im selben Jahr initiierte er auch das Filmfest Hamburg zusammen mit Werner Herzog, Volker Schlöndorff und Wim Wenders mit der sogenannten Hamburger Erklärung. 1993 gründete er das Filmstudium Hamburg an der Universität Hamburg – wo er ab 1992 auch eine Professur innehatte –, das 2004 in die Hamburg Media School integriert wurde. Bohm war Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg. 2003 war er eines der Gründungsmitglieder der Deutschen Filmakademie.

Auf Wunsch Bohms hatte 2025 sein Freund und Mentee Fatih Akin die Regie des Films Amrum übernommen, der auf einem Drehbuch von Bohm basiert und von dessen Erlebnissen als Kind in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in seinem Heimatdorf auf der titelgebenden deutschen Nordseeinsel Amrum handelt.

Filmografie (Auswahl)
Als Schauspieler
1969: Rote Sonne
1969: Die Revolte
1970: Der amerikanische Soldat
1970: Der große Verhau
1972: Willi Tobler und der Untergang der 6. Flotte
1972: Händler der vier Jahreszeiten
1974: Angst essen Seele auf
1974: Fontane Effi Briest
1975: Faustrecht der Freiheit
1975: Angst vor der Angst (Fernsehfilm)
1976: Der starke Ferdinand
1976: Bomber & Paganini
1976: Adolf und Marlene
1978: Despair – Eine Reise ins Licht
1978: Die Ehe der Maria Braun
1979: Die dritte Generation
1979: 1 + 1 = 3
1979: Der Durchdreher
1980: Berlin Alexanderplatz
1980: Lili Marleen
1980: Panische Zeiten
1980: Endstation Freiheit
1981: Lola
1984: Der Beginn aller Schrecken ist Liebe
1985: Paradigma
1985: Nicht nichts ohne Dich
1986: Das Go! Projekt
1987: Der kleine Staatsanwalt (zugleich Regisseur)
1988: Linie 1
1989: Erdenschwer
1989: Treffen in Travers
1989: Beim nächsten Mann wird alles anders
1989: Das Spinnennetz
1990: Herzlich willkommen
1992: Schtonk!
1992: Ruby Cairo
1993: Justiz
1995: Das Versprechen
1995: Underground
1996: Gespräch mit dem Biest – Conversation with the Beast
1997: Knockin’ on Heaven’s Door
1997: Der Hauptmann von Köpenick
1998: Härtetest
1998: Tatort – Bildersturm
1999: ’Ne günstige Gelegenheit
2001: Invincible – Unbesiegbar (Invincible)
2002: Islandfalken (Fálkar)
2006: True North
2007: Underdogs
2007: Die Todesautomatik
2008: Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen
2008: Was wenn der Tod uns scheidet?
2008: Der Architekt
2008: Leo und Marie – Eine Weihnachtsliebe
2011: Wer wenn nicht wir
2011: Kissenschlacht
2015: Der Liebling des Himmels
2017: Beutolomäus und der wahre Weihnachtsmann
2019: Der Goldene Handschuh
2019: Tatort: One Way Ticket
2019: Und der Zukunft zugewandt
2021: Zimmer mit Stall: Schwein gehabt

Als Regisseur und Drehbuchautor
1972: Tschetan, der Indianerjunge
1973: Ich kann auch ’ne Arche bauen
1974: Wir pfeifen auf den Gurkenkönig
1976: Nordsee ist Mordsee
1978: Moritz, lieber Moritz
1980: Im Herzen des Hurrican
1984: Der Fall Bachmeier – Keine Zeit für Tränen
1985: Wie ein freier Vogel – Como un pajaro libre (Dokumentarfilm)
1987: Der kleine Staatsanwalt
1988: Yasemin
1990: Herzlich willkommen
1997: Für immer und immer
2001: Vera Brühne
2002: Atlantic Affairs
2016: Tschick (Drehbuch)
2017: Aus dem Nichts (Drehbuch)
2025: Amrum (Drehbuch)
Auszeichnungen
1973: Preis der AG der Filmjournalisten (Bester Spielfilm des Jahres) für Tschetan, der Indianerjunge
1988: IFF Chicago: Preis (Bestes Drehbuch) für Yasemin
1989: Filmband in Gold (Regie) für Yasemin
2018: Zwei Deutsche Filmpreise (Ehrenpreis sowie Drehbuchpreis für Aus dem Nichts)

Schriften
mit Philipp Winkler: Amrum. Roman. Ullstein Verlag, Berlin 2024, ISBN 978-3-550-20269-8.

Literatur
Regisseur und Drehbuchautor Hark Bohm. In: Susanne Wiedmann: Amrum. Hamburg 2012, ISBN 978-3-455-50231-2, S. 33–46.
Peer Moritz: Hark Bohm – Regisseur, Autor, Schauspieler, Produzent. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 24, 1994
Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 1: A–C. Erik Aaes – Jack Carson. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 446.

Weblinks
Literatur von und über Hark Bohm im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Hark Bohm bei filmportal.de
Hark Bohm bei IMDb
Hark Bohm bei Crew United
„Glückwunsch. Dem Filmemacher Hark Bohm zum 70“, Die Welt, 18. Mai 2009
Interviews
„Ich versuche heute, von Studenten zu lernen“ (Memento vom 25. Februar 2003 im Internet Archive), Die Welt, 6. Januar 2003
„Roter Teppich für Hark Bohm. Filmstudium feiert heute sein zehntes Jubiläum“ (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive), Hamburger Abendblatt, 15. Januar 2003

Einzelnachweise
 Pommersches Geschlechterbuch, Neunter Band (1977), S. 215–217.
 Hark Bohm im Munzinger-Archiv, abgerufen am 29. April 2024 (Artikelanfang frei abrufbar)
 Degeners Wer ist’s?, X. Ausgabe (1935), Berlin 1935, S. 158.
 Hans-Christian Harten: Himmlers Lehrer. Die Weltanschauliche Schulung in der SS 1933–1945, Paderborn 2014, S. 53.
 Regisseur Hark Bohm über die „natürliche Gier, Adoptivvater zu sein“. In: Die Welt. 22. August 2004, abgerufen am 11. Juni 2024 (Interview mit Till Stoldt).
 Porträt: Auf einen Spaziergang mit Hark Bohm – Erinnerungen eines Autorenfilmers. In: Duoscope. 9. April 2016, abgerufen am 25. August 2022.
 Todesfall: Filmemacher Hark Bohm stirbt im Alter von 86 Jahren. In: Tagesspiegel. 14. November 2025, abgerufen am 15. November 2025.
 Jörg Thomann: Serie über Hitler: „Warum eigentlich nicht?“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. Februar 2016, abgerufen am 5. Juni 2016.
 Hitler (AT). In: www.ufa-fiction.de. Archiviert vom Original am 8. August 2016; abgerufen am 14. November 2025.
 Tschick. Internet Movie Database, abgerufen am 5. Juni 2016.
 Thomas Abeltshauser: Fatih Akin: Lass mal auf deine Insel gehen … In: epd Film. 6. Oktober 2025, abgerufen am 6. Oktober 2025.

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