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Die Trauerzeit überstehen

Autorin: Jo Eckardt
www.joeckardt.de

Nach dem ersten Schock, den man oft nur in einer Art Dämmerzustand erlebt, kommen die Gefühle in voller Stärke wieder: Verzweiflung, Wut, Unglauben, tiefste Trauer. Dazu körperliche Schmerzen, Schlafstörungen, wiederkehrende Gedanken und Bilder, die unglaubliche Sehnsucht nach der verstorbenen Person, und vielleicht auch der Wunsch, das alles möge endlich, wie auch immer, zu Ende gehen. Diese neue Welt ist schwer auszuhalten.

Was können Sie also tun, wenn Sie mitten drin stecken in der Trauer? Leider gibt es keine schnellen Rezepte, keine Heilmittel oder Medikamente, die Ihre Gefühle erträglicher machen. Tatsächlich gibt es nur den einen Weg: nämlich sich der Trauer zu stellen und sie bewusst zu erleben. Aber möglichst nicht alleine! Suchen Sie sich Unterstützung, sei es bei Freunden, Familienmitgliedern oder auch anderen Menschen, die ähnliches erleben. Manchmal kann der Schmerz auch so unerträglich werden, dass Sie Angst haben, Ihr Leben nicht mehr in den Griff zu bekommen, dann holen Sie sich Unterstützung bei professionellen Begleitern, seien es Ärzte, Therapeuten oder Seelsorger. Reden Sie darüber, wie es Ihnen geht, was Sie brauchen, aber reden Sie auch über die verstorbene Person! Tauschen Sie Erinnerungen aus, Geschichten, lassen Sie ihn oder sie im Gespräch wieder lebendig werden.

Erlauben Sie sich, die Liebe zu fühlen, die der verstorbene Mensch für Sie empfand und achten Sie so auf sich, wie er oder sie dies gewünscht hätte: Das bedeutet, bemühen Sie sich um eine ausgewogene Ernährung, einen gesunden Lebensstil ohne Alkohol oder schädliche Substanzen.
Was Ihnen hilft, sich der verstorbenen Person nah zu fühlen, müssen Sie selbst herausfinden. Manche Menschen führen Gespräche oder schreiben Briefe an die Person, andere füllen ein Erinnerungsalbum aus oder schneiden Videoaufnahmen zusammen für einen bewegenden Porträtfilm, wieder andere malen oder dichten etwas. Sehr hilfreich sind Rituale. Hier einige Beispiele:

  • ein Treffen mit Freunden im Gedenken an die verstorbene Person
  • ein letzter Gruß wird auf die Reise geschickt (in einem Papierschiffchen oder an einen Ballon gehängt)
  • ein Baum wird gepflanzt
  • im Internet einen Nachruf veröffentlichen
  • eine Ecke in Ihrer Wohnung mit Fotos und Andenken einrichten

Wer versucht, alle Gefühle zu unterdrücken, der läuft Gefahr, eine Depression oder andere Symptome einer unverarbeiteten Trauer zu entwickeln. Das heißt, noch Jahre nach dem Tod können Hinterbliebene dann keine wirkliche Lebensfreude mehr fühlen. Dabei ist es durchaus sinnvoll, sich während der Trauer auch einmal abzulenken – solange Sie sich das Recht zugestehen, die Trauer, wenn sie hochkommt, zuzulassen!

Nur leider wird es eine ganze Weile dauern, ehe Sie wieder das Gefühl haben werden, ins Leben zurückgekehrt zu sein. Wenn die meisten ihrer Bekannten und Arbeitskollegen schon nicht mehr an die verstorbene Person denken, und wenn Sie vielleicht bereits wieder „funktionieren“, dann wird Sie dennoch die Trauer weiter begleiten. Besonders an Jahrestagen wird die Trauer auch wieder so intensiv werden, wie ganz am Anfang. Und dennoch wird im Laufe der Zeit die Trauer milder werden, ein Teil von Ihnen, der Sie zu der Person macht, die Sie sein werden: Vielleicht eine neue Person, jemand, der Sie nie sein wollten, aber doch jemand, der tiefen Schmerz und tiefe Empfindungen verarbeitet hat und hoffentlich auch wieder lieben kann.

Über die Autorin

Jo Eckardt ist in den USA ausgebildete Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin. Dort behandelte sie in ihrer Privatpraxis vor allem Menschen mit traumatischen Erlebnisse (sexueller Mißbrauch, Trauer, Krankheit usw.). Heute arbeitet Sie als Beraterin und Autorin, sowie als Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Autor: Jo Eckard